Der gerettete Arsch des Julien Bam

Julien Bam ist einer der erfolgreichsten YouTuber Deutschlands. Er dreht aufwändige Videos, die qualitativ tatsächlich ihresgleichen suchen.
Vor kurzem postete Julien Bam das Video „Ich bin geldgeil, wurde von einer Firma gekauft und bin kritikunfähig “ auf der Plattform:


Darin rechnet er vor, wie viel Geld er mit YouTube im Monat verdient und rechnet seine Ausgaben dagegen. Dabei macht er jedoch zahlreiche Fehler und enthält die wirklich relevanten Informationen vor:

  • Er setzt 45% Steuern auf seinen Umsatz an, den er nahezu ausschließlich aus YT Werbeeinnahmen beziehe. Dass dieser Steuersatz erst ab 256.304 Euro Einkommen gilt, sei nur am Rande erwähnt.
    Seltsam ist hier vor allem, dass er diese Reichensteuer direkt auf seinen Umsatz anwendet, ohne all die absetzbaren Kostenpunkte vorher abzuziehen.
  • Nach seiner Rechnung landet er bei 17.040 € in den Miesen – jeden Monat. Würde er keinen Gewinn machen, müsste er aber auch keine Steuern zahlen.
  • Er hat ein Haus gekauft und zahlt davon monatlich 3.200 Euro ab. Wer so ein Haus hat, hat erstens keine Geldsorgen und zweitens ist es steuerlich irrelevant, da dafür nur die Fläche für seine Steuern relevant ist, die für sein Unternehmen genutzt wird.
  • Nach Aufzählung weiterer Kosten wie für sein Team und Equipment erwähnt er schließlich, dass Placements und Kampagnen ihm „den Arsch retten“ würden.

Julien Bam

Und genau hier liegt die Scheinheiligkeit. Mit Produktplatzierungen und Kampagnen wie z.B. momentan mit Fanta, dürfte er bei seiner Reichweite pro Video mehrere Zehntausend Euro verdienen. Wenn etwas jemandem den Arsch rettet, befindet er sich in der Regel in einer Notsituation. Julien Bam ist aber Unternehmer, der sich seine Ausgaben selbst ausgesucht hat, um seinen Umsatz weiter zu treiben. Sicherlich auch die Qualität seines Angebots, das eine resultiert idealerweise aus dem anderen. Es geht hier also nicht um seinen geretteten Arsch, es ist vielmehr der Fall, dass er mit einigen seiner Produkte mehr Gewinn macht als mit anderen. So wie Elektronikhändler mit Zubehör die größten Margen machen, mit High-End Produkten großer Marken eine kleinere oder teilweise gar keine.

Es gibt zahlreiche Reaktionen in der YouTube-Gemeinde auf das Video, teils mit mehr als 1 Million Views. Einige Highlights sind:

Das Video mit dem größten Echo in den Medien (aber nicht mit den meisten YT-Views) hat Jan Böhmermann im Rahmen vom Neo Magazin Royale anzubieten:


Man kann annehmen, dass Julien Bam sich mit seinem Video primär an seine (junge) Zielgruppe wenden wollte und ihnen die Thematik vereinfacht erklären wollte.
Das hätte er dann aber lieber mit einem lustigen Cartoon ohne jegliche Zahlen machen sollen.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.